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Erfahrungsbericht

Freiwilligendienst in Costa Rica

Meine 5 Monate in Costa Rica

Nach der Schule beschloss ich erst mal die Welt zu entdecken, eine neue Sprache zu lernen und Erfahrungen in einem fremden Land zu sammeln, bevor es mit dem Studium losgeht. Mein Wunsch war es auch in einem sozialen Projekt mitzuwirken, weshalb ich auf die Organisation „Global Volunteers“ stieß, die Freiwilligendienste anbieten. Meine Wahl fiel auf das sicherste Land Mittelamerikas; Costa Rica - im Nachhinein eine sehr gute Entscheidung!

Nach dem 13-stündigen Flug kam ich am 02.10.2008 in dem Land an, wo für die nächsten fünf Monate spannende Abenteuer auf mich warteten. Von meiner Gastfamilie war ich sofort begeistert, denn ich wurde sehr nett und herzlich empfangen und aufgenommen, ich hatte ein schönes Zimmer und meine Gastmutter sprach wirklich viel mit mir und war auch später immer an meinen Erlebnissen interessiert. Wir wohnten in der Kleinstadt Atenas, in der man alles Wichtige bekommen kann, jeden kennt und grüßt und auch eine gute Anbindung zur Hauptstadt San José hat.

Nachdem ich mich ein paar Tage eingelebt hatte, begann mein erstes Projekt in Marie im Projekt Cen Cenaider Kindertagesstätte „Cen Cenai“, wo ich von nun an für sechs Wochen mit einer anderen Volontärin zusammen arbeitete. Es gab dort einen Spielraum für 18 - 25 Kinder zwischen zwei und sechs Jahren, sowie einen Speiseraum und ein Außengelände. Viele der Kinder waren sehr anhänglich und kontaktfreudig, vor anderen war es anfangs auf Grund mangelnder Sprachkenntnisse gar nicht so einfach sich Respekt zu verschaffen und sich immer verständlich zu machen. Ich war in dieser Einrichtung hauptsächlich dafür zuständig mit den Kindern zu spielen, kleine Streitigkeiten zu schlichten, mich mit Einzelnen zu beschäftigen, sowie bei der Essensausgabe und dem Zähneputzen zu unterstützen.

Neben diesem Projekt fand täglich der Spanischunterricht im Community Center „Su Espacio“ statt. Was mir daran gut gefiel war das Lernen in einer wirklich kleinen Gruppe von drei bis sechs Volontären. Allerdings war der Unterricht nicht so effektiv, wie ich es mir vorgestellt hatte, da wenig Wert auf freies Sprechen gelegt wurde, stattdessen viel mit Texten und dem Grammatikbuch gearbeitet wurde. Anschließend ging es jeden Tag zum Mittagessen nach Hause, wo mich eigentlich immer Reis, Bohnen und meistens Gemüse erwartete. Dass man sich an dieses landestypische Gericht so gut gewöhnen kann, hätte ich nicht gedacht. Die Tica-Küche ist vielleicht nicht die Abwechslungsreichste, aber geschmeckt hat es mir immer: Vom Gallo Pinto über das Casado bis zu den gebratenen Platanos war alles, was ich dort probierte lecker!

Anschluss zu finden war in Atenas überhaupt kein Problem, bereits in den ersten Tagen lernte ich viele andere Volontäre aus aller Welt kennen, mit denen ich fast jedes Wochenende durchs Land reiste. Oft ging es ans Meer, an die traumhaft schönen Strände Manuel Antonios, der Karibikküste oder der Halbinsel Nicoya. Wir Strand in Costa Ricaschwammen unter dem 70m hohen Wasserfall in La Fortuna und machten eine abenteuerliche Tour zum Cascada Montezuma. Ich bestieg den Vulkan Poas, fuhr mit dem Kanu durch die Kanäle Tortugeros und besuchte mehrere Nationalparks und Regenwälder. Die Vielfalt der Tiere und Pflanzen, sowie die wunderschönen natürlichen Strände beeindruckten mich sehr. Um mein Touristenvisum zu erneuern reiste ich für eine Woche mit zwei deutschen Freunden nach Nicaragua. Die Stadt Granada ist sehr zu empfehlen, sie hat wirklich Flair, besteht aus vielen bunten Häusern und liegt am großen Nicaraguasee. Die Armut ist in diesem Nachbarland jedoch erkennbar größer und die Menschen leben in sehr ärmlichen Verhältnissen.

Im Dezember begann ich mein zweites Projekt im Kinderheim „Hogar de Vida“, wo ich einem der drei Häuser zugeteilt war. In diesem lebten 13 Kinder zwischen vier Monaten und sechs Jahren und meine Aufgabe war die Beschäftigung und Marie im Hogar de VidaBeaufsichtigung der Kinder, das Wickeln und Füttern der Babys, sowie die Hilfe bei der Wäsche. In diesem Projekt hatte ich wirklich das Gefühl helfen und unterstützen zu können und den Kindern Aufmerksamkeit zu schenken, nach der sie sich sehnten. Das Heim besitzt ein sehr großes Außengelände mit vielen abwechslungsreichen Spielmöglichkeiten, sodass wir uns jeden Tag lange draußen beschäftigen.

Während meines Aufenthaltes in Costa Rica entschied ich spontan in einem weiteren Projekt zu arbeiten, in diesem Fall eine Tierauffangstation in Cabuya auf der Halbinsel Nicoya. Auch hier machte ich viele interessante Erfahrungen und bereiste von dort aus mir noch unbekannte Orte Costa Ricas.

Rückblickend kann ich sagen, dass mein Auslandsaufenthalt mir sehr viel gebracht hat. Neben der Verbesserung meiner Spanischkenntnisse habe ich gelernt, selbstständig zu reisen und organisieren, mit schwierigen Situationen zurechtzukommen ohne den Mut zu verlieren. Ich habe gelernt mich einer anderen Kultur anzupassen, indem ich bei einer Gastfamilie gelebt und mich einfach auf eine andere Lebensart eingelassen habe. Außerdem habe ich mich daran gewöhnt viel Geduld zu haben, denn man sollte in Costa Rica nie den Anspruch haben, dass etwas sofort und nach Plan geschieht. Ich habe festgestellt, dass die Ticos sehr freundliche, lebensfrohe, aufgeschlossene und vor allem hilfsbereite Leute sind, die ihrem Lebensmotto „Pura Vida“ voll und ganz nachgehen.

Kinder im Hogar de VidaDurch diese Reise habe ich viele Leute aus aller Welt getroffen und gute Freunde gefunden, mit denen ich Unvergessliches erlebt habe. Es war eine ganz besondere, erfahrungsreiche und einfach einmalige Zeit, von der ich mit Sicherheit mein Leben lang profitieren werde. Ich kann es wirklich nur jedem empfehlen, der etwas erleben möchte!

Marie Siegemund

April 2009

 


 

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letzte Überarbeitung: 12.02.2010