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Erfahrungsbericht

Freiwilligendienst in Kenia und Tansania

Hamjambo an alle zusammen!

Meine Zeit in Ostafrika: In Kenia und Tansania

Insgesamt elf Wochen habe ich auf dem schwarzen Kontinent verbracht, vier Wochen in Nairobi und sieben Wochen in Arusha und soviel vorweg: Mein Auslandspraktikum war mein bisher schönster und erfahrungsreichster Lebensabschnitt gewesen. Afrika ist allen Vorurteilen zum Trotz ein unglaublich facettenreicher Kontinent mit den lebensfrohsten Menschen, die ich je getroffen habe!
Beworben habe ich mich sowohl für Waisenkinder als auch für HIV Projekte und ich habe mich damals bewusst für die Bereisung beider Länder entschieden u.a. um sowohl Gemeinsamkeiten als auch die Unterschiede beider Nachbarländer kennenzulernen.
Am 5.Oktober 2008, kurz nach Beendigung meines Abiturs, flog ich mit British Airways nach Nairobi - meinen Kindheitsträumen entgegen. Die Abholung erfolgte zuverlässig und ich wurde bereits von Edith (meiner Gastmutter) im IFRE Hostel erwartet, das ich zu dem Zeitpunkt mit sieben weiteren Volontären aus aller Welt bewohnte.
Gleich am nächsten Morgen startete ich mit meiner Einführungswoche und bekam von nun an täglich ca. zwei Stunden Unterricht von Edith in Swahili und erhielt erste Einblicke in die Kultur und Lebensweise der Kenianer, interessant waren auch die Informationen aus erster Hand über den Stamm der Kikuyu, dem sie und ihre Familie angehört.
Die restliche Zeit konnte ich frei gestalten und hatte die Qual der Wahl: Museumsbesuche, Tierparks, traditionelle Tanzveranstaltungen, Safari, Stadtausflüge und noch vieles mehr. Doch meine Gasteltern waren für mich da, begleiteten mich zu vielen Ausflügen und zeigten mir Nairobi City oder ritten mit mir auf Kamelen im Krokodilpark =).
Dennoch, bei der Einführungswoche ist Eigeninitiative gefordert, es ist keinesfalls bereits so durchstrukturiert wie es sich in den Unterlagen liest. Man sollte sich nicht scheuen, offen zu sagen was man besichtigen möchte, Kritik ist nötig und auch absolut erwünscht.Miriam in Kenia
Meine dreiwöchige Projektphase im „House of Mercy Children’s Centre“, - ein Waisenhaus und gleichzeitig Tagesschule für die Kinder in Githrai, einem Slum in Nairobi, begann am Montag. Die Armut, die man dort erlebt ist eine gewaltige Umstellung, nicht zu vergleichen mit meinem behüteten Gästehaus in den reicheren Vororten von der Großstadt, dennoch ist es eine wichtige Erfahrung, die uns Volunteere von typischen Touristen unterscheidet und Gefahr drohte mir keine. Ein typischer Tag im Projekt sah bei mir wie folgt aus:
Ohne Probleme fuhr ich jeden Morgen unter der Woche mit einem großen Bus (kein unbequemes Matatu/überfüllter Minibus) direkt zum „Eingang“ des Slums, wo ich entweder von Rose (der Direktorin) oder den Lehrerinnen abgeholt und durch das Chaos von Menschen, Tieren, Wellblechhütten, quer an kleinen Schlachtstübchen, Bistros, spielenden Kindern und riesigen Müllhalden von Unrat vorbeigeführt wurde. Bei Regen verwandelte sich zwar alles in kleine Schlammlawinen, doch bestens ausgerüstet mit Trekkingschuhen und Wetterjacke konnte mich das nicht abschrecken…Kaum hatte ich den kleinen Außenhof betreten, wurde ich herzlich empfangen und von den vielen Kindern bestürmt, die freudig durcheinander plapperten und immer wieder: „Mzungu! Mzungu!“ („Weiße! Weiße!“) riefen.

Es gab drei verschiedene Unterrichtsklassen, ich durfte frei wählen welcher ich mich anschließen wollte. (Vor)Schule beginnt in Kenia im Alter von ca. 3 Jahren und gliedert sich in die Klasse 1, 2, und 3 aber selbst die unter Dreijährigen, zu den ich mich besonders hingezogen fühlte, sangen bereits englische Lieder mit der Lehrerin. Am Vormittag unterrichte ich Englisch in Klasse 2, habe am Mittag die Kleinsten beim Essen betreut, Streitereien geschlichtet oder die Babys schlafen gelegt.
Miriam mit den BabysAlle Kinder waren sehr liebenswert, aufgeschlossen und haben großes Interesse für meine Person; meine Kultur und meine längeren blonden Haare gezeigt… Selbst die Jüngsten sprachen schon recht gut Englisch, da es anders als in Tansania, zusammen mit Swahili als Landessprache gesprochen wird. Am Nachmittag wurde getobt und gespielt, besondere Freude hatten die Kinder an meinem mitgebrachten Fußball oder dem „Memory“ Spiel aber auch mit Springseilen, Hüpfkästchen oder Malbüchern wurde uns die Zeit nicht lang.
Gegen drei Uhr am Nachmittag gingen die Schulkinder nach Hause und kurz darauf kamen auch die älteren Waisenkinder von den höheren Schulen zurück. Leider war das auch der Zeitpunkt, an dem ich mich schweren Herzens zu dem Bus aufmachen musste um noch rechtzeitig vor der Dunkelheit wieder „zu Hause“ zu sein. Dort erwartete mich meist schon freudestrahlend die jüngste Tochter meiner Gastfamilie und nach dem Abendessen konnte ich mit den anderen Volontären Erfahrungen austauschen, denn wir waren alle in verschiedenen Projekten untergebracht, so ebbte der Gesprächsstoff nie ab und man konnte viel dazulernen. Ich schloss meinen Kenia Aufenthalt auf Empfehlung meiner Gastfamilie mit einer viertägigen Safari im „Masai Mara“ und „Lake Nakuru National Park“ ab. Meine Zeit im Projekt wird mir unvergessen bleiben, die Direktorin ist eine fromme, liebenswerte Frau, die es als ihre von Gott zugeteilte Aufgabe betrachtet, den kranken, elternlosen Kindern ein Zuhause und eine Schulbildung zu ermöglichen. Bemängeln kann ich nur, dass Schläge für die Kinder leider zum Schulalltag gehören, die Regierung dies duldet und es für die Lehrerinnen selbst ein fester Bestandteil ihrer eigenen Erziehung war, den sie nun an die nächste Generation weitergeben.

Meine Zeit in Tansania begann, ich reiste ohne Schwierigkeiten per Bus über die nicht weit entfernte Grenze und erhielt mein dreimonatiges Touristenvisum (ca. 40 Euro) sogar kostengünstiger als in Deutschland. In Arusha (einer kleinen Stadt mit Blick auf den Mount Kenya) wurde ich von meinem dortigen Organisator abgeholt, verbrachte eine Nacht im Gästehaus und entschied, meine Einführungswoche in der Hafenstadt Dar es Salaam zu machen. Nach der zehnstündigen Busfahrt wohnte ich eine Woche in der „Bethaida Girls Secondary School“, einer Waisenschule nur für Mädchen im Alter von elf bis achtzehn Jahren. Ich begleitete die Mädchen in den Unterricht, half bei den Hausaufgaben und versuchte sie in ihrer Examensvorbereitung und dem täglichen Lernen zu unterstützen.
Doch es blieb genug Zeit für Stadtbesichtigungen, Museumsbesuche und sogar einen anschließenden Ausflug auf die nicht weit entfernte Insel Sansibar.
Danach ging es aber zurück nach Arusha, ich war sehr neugierig auf das neue Waisenkinder Projekt und wurde angenehm überrascht.
Miriam im Living Water Children Centre in TansaniaIch kam in das „Living Water Children Centre“(L.W.C.C), das ca. fünf km von Arusha entfernt lag und einfach mit den günstigen Dala Dalas (tansanische Minibusse) zu erreichen war.
Angewiesen war ich darauf jedoch nicht, denn meine Gastfamilie sind Gründer und Organisatoren des Heimes, das gleichzeitig noch eine Privatschule ist, sodass ich nur wenige Gehminuten durch eine Plantage von dem Center entfernt war, es also zu jeder Zeit alleine aufsuchen durfte und mir meine Zeit frei einteilen konnte.
Das Waisenhaus hatte mehr Geldmittel zur Verfügung, die Schule zählt zu einer der besten in Tansania, auch die Unterrichtssprache ist Englisch, obwohl viele Menschen in Tansania eher Swahili als Englisch sprechen können. Verständigung war hier aber kein Problem, die Lehrer sind gut ausgebildet, es gab sieben verschiedene Schulklassen, sodass selbst die älteren (ca. fünfzehn Jahre) ganztags im Centre unterrichtet werden konnten.
Vieles war anders als in Kenia, doch meine Aufgaben waren in etwa dieselben, ich unterrichtet in der „Baby class“ Englisch und Mathe, half bei der Betreuung, den Hausaufgaben und der Beschäftigung der Kinder und unterstützte zudem meine Gasteltern bei organisatorischen Aufgaben.
Allen Befürchtungen zum Trotz wurde es selbst zum Beginn der großen Schul/ Weihnachtsferien nie langweilig, durch das Fehlen der Schulkinder unternahmen wir viele Ausflüge in Parks oder zu Spielplätzen mit den Waisenkindern und konnten ihnen nun ungeteilte Aufmerksamkeit schenken.
Das Verhältnis war sehr angenehm, ich entwickelte schon bald einen sehr engen Bezug zu den Kindern, vor allem zu den Älteren, jeden Abend beteten wir zusammen, sangen Lieder und dankten Gott für die Mahlzeiten, den Schutz und unser Beisammensein.
Besonders schön waren die Vorbereitungen für die ganzen Feiern, z. B. die selbst organisierten Geburtstagspartys, die Zeugnisfeier oder auch die Weihnachtsvorbereitungen. Ich erlebte meine Gastfamilie als sehr engagiert und stets darum bemüht das Beste zu geben und die Kinder in hohem Maße zu fördern (sie lehrten die Kinder u.a. in ihrer Freizeit wie man gute Briefe formuliert, verbesserten ihren Wortschatz oder brachten ihnen Fahrrad fahren bei).

Mein Aufenthalt in Tansania war unbeschreiblich, ich konnte viele Ausflüge unternehmen, reiste auch nach Kenia /Mombasa zurück und besuchte Masai Dörfer. Nach einem sehr tränenreichen Abschied, aber mit dem Versprechen wiederzukommen, reiste ich zurück nach Dar es Salaam um am 21. Dezember die Heimreise anzutreten.
Die Zeit in Afrika hat mich für immer geprägt und mir vor Augen geführt wie dankbar wir für das sein müssen was wir haben und es als selbstverständlich betrachten – es aber keinesfalls ist!
Die Kinder, die so unendlich lernbegierig sind und so bescheiden, obwohl sie fast nichts besitzen, verdienen unseren Respekt und unsere ganze Hilfe.
Ich danke allen, die mir ermöglicht haben diesen wundervollen Kontinent zu bereisen, Asante sana; Vielen Dank an Global-Volunteers.de, meine Familie und meine Freunde in Afrika und Deutschland, die mich unterstützt und ermutigt haben.
Ich bereue meinen Entschluss bis heute nicht und bin fest entschlossen, zurückzukehren, auch bin ich durch das Auslandspraktikum in meiner Persönlichkeit gereift, da ich lernen musste, Verantwortung zu tragen und mich alleine in großen Städten zurechtzufinden.
Kind im Living Water Children CentreVielleicht ist mein Bericht ja für einige Unentschlossene ein Anstoß die Reise nach Afrika zu wagen, denn wer ein Erlebnis sucht, das lange unvergessen bleibt, abenteuerlustig ist oder einfach nur helfen möchte, für den ist ein Auslandsbesuch genau das Richtige, die Menschen werden es euch danken.

Kwaheri!

Miriam Schnieders

Bleckede den 16.02.2009

 


 

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letzte Überarbeitung: 27.12.2012