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Erfahrungsbericht

Freiwilligenarbeit in Peru

Ein Auslandspraktikum im peruanischen Regenwald. Klingt gut? Ist es auch!

Ich habe fünf Wochen als Volunteer in der Reserva Atalaya im Manu Nationalpark gearbeitet. Der Nationalpark im Südosten Perus beherbergt ein Waldareal von über 18.800 km² und eine Vielzahl von Tier- und Pflanzenarten. Genau deshalb hat das Gebiet ein sehr hohes Potential für den Ökotourismus.

Die Reserva AtalayaDie Reserva Atalaya besteht aus vier Bungalows, wobei einer als Gesellschaftsraum und Küche dient und zwei weitere für Touristen vorgesehen sind. Der vierte und größte ist der Schlafsaal, den ich mir mit rund zwanzig anderen Volunteers geteilt habe. Des Weiteren befinden sich ein Kräutergarten sowie ein kleines Gewächshaus in der Anlage und eine eigene Reis- und Ananasplantage sind bereits in Planung.

Um ca. 9:00 Uhr morgens heißt es von Montag bis Samstag: „Ran an die Arbeit!“ An meinem ersten Arbeitstag wurde ich der Arbeitsgruppe „Monitoring Plants“ (Pflanzenaufsicht) zugewiesen. Dabei mussten die anderen Volunteers, die überwiegend aus englischsprachigen Ländern kommen, und ich die Pflanzen, welche zuerst in dem Gewächshaus großgezogen und später im Regenwald eingepflanzt werden, messen und sie auf Parasiten sowie ihren Standort auf Lichtverhältnisse untersuchen. Obwohl die genauere Beobachtung der Pflanzen, die zur Reproduktion bestimmter Spezies dienen, mit am wichtigsten ist, war das so ziemlich die langweiligste Arbeit, die es zu verrichten gab. An anderen Tagen musste ich Pflanzensamen aufsammeln, mich um Pflanzen im Garten kümmern oder helfen, die Anlage zu renovieren. Doch die beste Arbeit, die man eigentlich nicht als solche bezeichnen kann, hieß „Monitoring Animals“. Dabei sollte man wilde Tiere beobachten, während man einen der fünf Dschungeltrails der Reserva entlangläuft. Mehr Tiere als unsere Hausäffchen Paula und Chico oder den Hund unserer Köchin Gloria habe ich allerdings nicht gesehen, wenn man von den Tausenden von Moskitos mal absieht. Jedoch sind die Trails an sich schon ein Highlight. Mit Säbeln bewaffnet kämpft man sich durch das üppige Dschungelgestrüpp und übt sein Wasserfall im Reserva AtalayaGleichgewicht beim Überqueren rutschiger Felsen und kleiner Schluchten, bis man schließlich an sein Ziel kommt. Dieses kann je nach Trail ein Aussichtspunkt, ein großer Wasserfall oder eine riesige Liane, an der man den Tarzan in sich entdecken kann, sein.

Nach der Arbeit, welche meist zwei bis höchstens vier Stunden des Tages einnimmt, hat man meistens noch genügend Zeit, um noch vor dem Mittagessen entweder in den Fluss gleich vor der Anlage zu springen oder die 15 Minuten Laufzeit in Kauf zu nehmen, um unter dem Wasserfall eine wundervolle erfrischende Dusche zu nehmen. Die Haare durfte man sich allerdings nur mit einem speziellen Naturshampoo waschen, da der Gebrauch von chemischen Substanzen jeglicher Art in der Reserva strengsten untersagt ist.

Der Nachmittag steht zur freien Verfügung. Oft bin ich zusammen mit anderen Volunteers ins nahegelegene Dorf Chontachaca gegangen, da es dort im Gegensatz zur Anlage Elektrizität gibt und ich also die Gelegenheit nutzte, um meine Fotokamera aufzuladen. Ansonsten gibt es in Chontachaca drei kleine Läden, in denen man sich (auf eigene Kosten versteht sich) Getränke und Snacks kaufen konnte. Lediglich an Internet fehlt es dem Örtchen noch. Um also Emails an meine Familie und Freunde zu schreiben, musste ich mich auf den Weg ins nächstgrößte Dorf machen, das 15 Minuten per Taxi, jedoch zwei Stunden Fußweg entfernt war. Manchmal verbrachte ich meine Freizeit aber lediglich lesend am Fluss, kartenspielend mit anderen Volunteers oder kuschelnd mit den beiden Hausäffchen Paula und Chico, die es sich gerne mal in Paulameinem Bett gemütlich gemacht haben. Andere Volunteers nahmen die Gelegenheit wahr und besuchten die kleine Schule von Chontachaca, in der sie den Kindern im Alter von fünf bis zwölf Jahren English beibrachten und mit ihnen spielen.

Im Regenwald wird es sehr früh dunkel und da es in der Anlage keinen Strom gibt, hatten wir jeden Abend ein „Candle light dinner“. Deshalb empfiehlt es sich auch eine gute Taschenlampe mit ausreichend Batterien mitzunehmen, damit man nicht so wie ich regelmäßig nachts im Dunkeln steht.

Waisenhaus ChaskawasyDie Reserva Atalaya kooperiert übrigens mit dem Waisenhaus Chaskawasy, das sich in dem Örtchen Salvación befindet, und schickt gelegentlich ein paar Volunteers dorthin, damit diese die Waisenkinder betreuen, sie zur Schule begleiten, ihnen bei den Hausaufgaben helfen und mit ihnen spielen. Die Kinder sind unglaublich nett und haben keinerlei Angst vor Fremden. Doch Vorsicht! Wer seine Kamera nicht gerne in fremde Hände gibt, sollte es vermeiden, sie offen mit sich herumzutragen – denn alle Kinder lieben es, Schnappschüsse von allem möglichem zu machen.

In den fünf Wochen im Dschungel wurde mir immer bewusster, dass trotz seiner Einfachheit die Reserva immer mehr mein Zuhause wurde und dass der deutsche Luxus nicht lebensnotwendig ist. Ich habe mich zu keiner Zeit gelangweilt und hatte immer meinen Spaß! Durch den Freiwilligendienst habe ich zwar nicht die Welt gerettet. Mir ist jedoch klar geworden, dass das Paradies auf Erden immer noch vorhanden ist und wie wichtig es ist, sich für seinen Erhalt einzusetzen.

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letzte Überarbeitung: 27.12.2012