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Erfahrungsbericht

Freiwilligendienst bei Kiviwama in Tansania

Tansania – ganz ohne Safari

Wenn ich von meiner Reise nach Tansania erzähle, werde ich oft gefragt, wie ich dazu eigentlich gekommen bin. Da dieser Grund eigentlich auch der Ursprung dieser Reise ist, sollte die Beantwortung dieser Frage selbstverständlich sein.
Es hat sich ganz im afrikanischen Sinne spontan ergeben. Den kommerziellen Weg, den ich ursprünglich gehen wollte, hat sich nicht ganz ebnen lassen und ich war gezwungen umzudenken. Zusammen mit Freunden und Familie habe ich überlegt, welche alternativen Wege als Möglichkeiten in Frage kämen.
Meine Tante und mein Onkel waren schon immer sehr weltoffen, was vielleicht auch daran liegt, dass meine Tante Stewardess ist. Sie haben mir eine Auslandsreise ans Herz gelegt und haben die ersten Schritte auch in die Wege geleitet. Sie organisierten mir den Kontakt zu der Hilfsorganisation Global Volunteers, die bestimmte Projekte in verschiedenen Länder anbieten und einem auch während der Zeit bei Bedarf weiterhelfen.
Ich muss zugeben, dass Freunde, die eine Auslandsreise gemacht haben oder machen, von mir immer bewundert wurden, ich mir selbst aber solch einen Schritt nie zugetraut habe, vor allem weil ich nicht unbedingt sprachbegabt bin. Aber als sich diese Möglichkeit geboten hat, habe ich sie wahrgenommen, es war einfach das perfekte Timing. Die Vorbereitungen für diese Reise verliefen recht reibungslos und ehe man sich an den Gedanken gerade gewöhnt hat, sitzt man schon im Flugzeug. Ich hab mich auf der Hinreise sehr einsam und unsicher gefühlt, da ich fast mit niemanden gesprochen hatte. In Gesprächen mit dem Personal habe ich mein unerfahrenes Englisch auf komplizierte Art und Weise runter gestottert, was meine Nerven definitiv genug beansprucht hat.

Angekommen in Kilimanjaro Airport bin ich erfreulicherweise doch noch in Kontakt mit einigen Mitreisenden gekommen, die mir ein wenig geholfen haben, mein Visa zu bekommen. Es gab auch einen netten Mann, der mir geholfen hat mein Gepäck zu tragen. Wobei ich später feststellen musste, dass es sich um eine rein berufliche Hilfe handelte und er anschließend natürlich auch die Hand aufgehalten hat. Für den Anfang zwar etwas überraschend, aber es war gleichzeitig auch eine gute Vorbereitung auf das, was mich in den nächsten 2 Monaten erwartet würde. So müde ich war, bin ich auch während der Fahrt zu meiner Unterkunft mit dem Abholdienst der Organisation eingeschlafen. Allerdings hat sich das als schwierig erwiesen, da wir alle paar Kilometer über einen Hubbel fuhren, die in Tansania offensichtlich als simple Geschwindigkeitsbegrenzung dienen.
Diese Straßen sind allerdings nichts im Vergleich zu den Straßen, die nicht geteert sind. Spätestens ab diesem Zeitpunkt war es mit dem Schlafen vorbei und stattdessen genoss ich noch den für mich frischen neuen Duft von Wäldern in der Luft und staunte über die Tore an den Straßenrändern, wohinter ich jedes Mal ein großes prachtvolles Haus vermutet hatte. Wie konnte ich auch wissen, dass ich mit diese Vermutung völlig falsch lag. Verriegelte Türen, Fenster und eine Grundstücksbegrenzung sind in Tansania definitiv eine Notwendigkeit, um sich vor Eindringlingen zu schützen. Nur Familien, die solche Schutzeinrichtungen nicht aufweisen können, sind angeblich wirklich arm.

Als ich endlich mitten in der Nacht an der besagte 'Homebase' in Moshi Rau angekommen bin, wurde ich schon ganz nach afrikanischer Lebensart von Fatuma begrüßt: 'Feel like home', sagte sie zu mir und zeigte mir mein Zimmer, was überraschenderweise mit vier Betten ausgestattet war. Ich hatte definitiv etwas anderes erwartet, als ich auch noch das Badezimmer gesehen habe: einer funktionierenden westlichen Toilette ohne Toilettendeckel, ein Waschbecken und eine Dusche. Ich hatte mehr eine Hocktoilette und eine Dusche aus einem Eimer erwartet.
Ich erinnere mich noch sehr gern daran, wie ich aufgewacht bin, die Augen noch geschlossen hatte und ich felsenfest davon überzeugt war, dass ich in meinem Bett in Deutschland läge. So heimisch, wie ich mich fühlte, war die Überraschung groß, dass ich mich in Afrika befunden habe.

An meinem ersten Tag in Tansania habe ich natürlich erst einmal viele Menschen kennengelernt, die in den nächsten zwei Monaten immer um mich herum waren und meine Freunde wurden.
Am meisten habe ich mich in dieser ersten Woche über die Bekanntschaft mit Didi gefreut. Eine deutsche Frau mittleren Alters, die im Projekt Kiviwama arbeitete. Sie hat mir den Einstieg in Tansania um einiges erleichtert, da sie mir kurz und bündig die Grundregeln auf unsere Muttersprache erklärte und mich in mein zukünftiges Projekt einführte.
Ich war froh, mich mit ihr über all diese neuen Eindrücke austauschen zu können, denn mein Wahrnehmungsvermögen und die dazu gehörige Verarbeitung war von diesem Neuen sehr überfordert und ich konnte mir anfänglich eigentlich nicht vorstellen, dass ich meine geplanten fünf Wochen dort durchhalten würde.

Da ich immer sehr empfindlich auf die Klimaanlagen in den Flugzeugen reagiere, musste ich erst einmal drei Tage eine kleine Erkältung aussitzen. Zum Glück habe ich nicht viel verpasst oder konnte es nachholen, da man in der ersten Woche meistens erst an einem Programm Culture & Language teilnimmt. Das heißt, wir bekamen Unterricht in der Landessprache Swahili und machten einige Ausflüge in die Stadt, um uns besser zurecht zu finden.

Nach drei Tagen war ich auch wieder ganz gut auf den Beinen und bekam meine ersten Einführungen bezüglich des Dala Dalas. Ein Kleinbus mit der Funktion eines Linienbusses, vollgestopft mit Menschen, bis die Tür nicht mehr zu schließen ist. Manche hängen sich notfalls sogar raus. Da ich eigentlich recht klein bin, fand ich mich trotz den unbequemen Sitzen und der niedrigen Decke immer gut zurecht. Für andere Mitfahrer allerdings kann die Fahrt zu einer Tortur werden, aber dafür gibt es auch die extra Sonderplätze im Vorderraum.
Nach einigen Fahrten lernt man auch die Selbstverständlichkeit, dass ein Sitzender die Tasche eines Stehenden trägt. Das ein oder andere Mal habe ich sogar ein Kind einer jungen Mutter für einige Stationen halten dürfen. Außerdem bietet der Dala Dala immer die Möglichkeit sich über die aktuellsten Ereignisse zu informieren, soweit man Swahili versteht. Eine Fahrt im Dala Dala kam mir manchmal vor wie eine Diskussionsrunde einiger Politiker, besonders da die Wahlen bevorstanden.
Beim Bummeln durch die Stadt, kaufte ich mir bei Gelegenheit auch eine SIM Karte für lokale Telefonate. Kaum zu glauben, aber wahr: Jeder in Tansania hat ein Handy, dafür aber kein Haustelefon. Die Karte kann man dann an sämtlichen Ständen verteilt in der Stadt mit Geld für Telefon – Minuten kaufen.

Nachdem ich wieder völlig genesen war, hatte ich die Chance Didi zu unserem Arbeitsplatz mit zu begleiten, um mich dort auch schon einmal umzusehen und mich bei meinem Arbeitgeber vorzustellen.
Dort angekommen, war Samweli allerdings nicht anzutreffen und Didi übernahm eine kleine Führung an meinem Arbeitsplatz. Die Umgebung lässt sich sehr leicht mit Wald beschreiben, mit zwei grob aus Bambus selbst zusammen gebauten Hütten, einem Fluss in der Nähe und einer großen Baumschule zwischen den Bäumen.
Während unserem Rundgang haben wir ein paar Einheimische getroffen, bei denen wir annahmen, dass sie Samweli kennen würden und fragten bei Gelegenheit bei ihnen nach seinem Verbleiben nach. Einer der zwei Männer wollte uns dann tiefer in den Wald führen, während er deutlich machte, dass sich angeblich dort Samweli befinden würde. Als Frischling habe ich kein Verdacht geschöpft, dass etwas nicht stimmen könnte und bin daher dankbar, dass Didi ihre Sinne schärfte und ihren Instinkten folgte. In dem Moment, als Didi anmerkte, dass Samweli niemals so abseits der Baumschule arbeiten würde und wir uns zum Zurückgehen entschieden, griff dieser Mann nach meiner Kamera, die ich einigermaßen sicher um mein Handgelenk gewickelt hatte. Da ich allerdings gut die ganzen Informationsbroschüren bezüglich Tansanias gelesen hatte, gab ich lieber meine Kamera auf, als später mit meinem Leben zu bezahlen.
Der Schock stand mir ins Gesicht geschrieben und machte die ganze Situation auch in den nächsten Wochen etwas unangenehm.
Später kam Samweli von einem Außenauftrag zurück und war ganz außer sich, dass mir die Kamera gestohlen wurde. Er setzte alles in Bewegung für den Wiederfund meiner Kamera und interviewte zu diesem Vorfall sämtliche Kiviwama Mitarbeiter und Einwohner in Moshi. Letztendlich meldeten wir diesen Vorfall sogar der Polizei, die mir versicherte, dass sie die Kamera ausfindig machen würde. Ich hatte die Kamera allerdings schon abgeschrieben.

Didi ging in der nachfolgende Woche auf Safari, um die Pracht der Nationalparks Tansanias selbst zu sehen und kennenzulernen. Für mich bedeutete das allerdings, dass ich auf mich alleine gestellt war. Deshalb war ich sehr froh, dass ich dort den Kontakt zu anderen Freiwilligen aus anderen Ländern verstärken konnte und von deren Seiten auch viel Unterstützung und Verständnis gefunden habe.
Zum Beispiel Trevan, der mit mir im Kiviwama die erste Woche arbeitete. Ursprünglich sollte er Kinder unterrichten, aber diese hatten gerade Schulferien. Seine Gesellschaft war mir recht genehm, obwohl die Arbeit für ihn überhaupt gar nicht geschaffen war. Die Behälter für die Samen werden mit Erde gefüllt und nur durch eine zugeschnittene, maximal 10 cm hohe Plastikfolie zusammen gehalten. Man muss den Trick erst herausfinden, wie man diese Behälter sinnvoll gefüllt, ohne dass alles auseinanderfällt. Das Sähen der Samen dauert immer sehr lange, da man Reihe für Reihe jeden Behälter bepflanzt, dementsprechend war diese lang anhaltende Arbeit in der Hocke oder gebückt für den zwei Meter großen Trevan sehr unangenehm.

Am Wochenende planten meine Mitbewohner aus meiner Unterkunft, wo mittlerweile auch Ira, Kathie und Kylie dazu gekommen sind, einen Trip zu den Wasserfällen in Marangu, begleitet von Selina, unserer Swahili Lehrerin. Es war definitiv sehenswert und interessant auch einiges zu den besagten Legenden zu erfahren. Besonders eindrucksvoll waren die riesigen Bananen-Plantagen und die Einwohner, die dort leben. Das Chagga Museum vor Ort war sehr lehrreich. Dieses Museum zeigt, wie die Chagga früher gelebt haben und natürlich in welchen kulturellen Umständen sie sich zurecht finden mussten. Mit diesem Hintergrundwissen begreift man auch woher manche Traditionen der Chagga herkommen und wie sich diese Kultur historisch entwickelt hat. Zum Beispiel haben die Chagga damals ihr Essen in einem Topf über einem Feuer zwischen drei Steinen zubereitet und diese Tradition wird sogar heute noch genutzt.

Abends lernten wir zusätzlich das Night – Life mit Fatuma in Moshi kennen. Von Anfang an und während meiner ganzen Zeit in Tansania hat mich besonders das Tanzverhalten der Einheimisch fasziniert. Es ist einfach wunderbar, dass, unabhängig vom Alter, jeder tanzt. Leidenschaftlich wird mit Hüften geschwungen und wenn man als Gruppe einen Kreis bildet, hat jeder die Chance, sein Tanztalent in der Mitte vorzustellen.

Zu meiner großen Überraschung kam am Anfang der nächsten Woche ein Polizist an meine Arbeitsstelle mit meiner gestohlenen Kamera. Wie sich herausgestellt hatte, war der zweite junge Mann während des Vorfalls ein Arbeiter von Samweli, der bei der Fahndung nach dem Dieb durch seine genauste Schilderung eine große Hilfe war. Ein kleiner Junge hatte anschließend den Dieb im anliegenden Dorf beobachtet, wie er meine Speicherkarte verkauft hatte und meldete dies der Polizei. Die Polizei folgte den Hinweisen, überführte den Dieb und brachte mir meine Kamera zurück. Die Freude, die ich in dem Moment empfand, ist gar nicht zu beschreiben. Dass man natürlich den Leuten, die an der Ermittlung meiner Kamera beteiligt waren, einen kleinen Lohn gibt, ist für mich selbstverständlich. Es war allerdings neu für mich, dass ich den Polizisten auch bezahlen musste und dieser sich die Bezahlung auch definitiv anders vorgestellt hatte, als ich.

Nachdem ich jetzt meine Kamera wieder hatte, konnte ich auch meine ganzen Eindrücke endlich festhalten.
Es war zum Beispiel so neu für mich, dass all die Hühner mit ihren kleinen Küken auf den Straßen herumliefen, scheinbar niemanden gehörig. Dass man von jedem, dem man auf der Straße begegnete, mit fünf verschiedenen Begrüßungsformeln angeredet wurde. Unabhängig davon, ob sie einem was verkaufen wollten oder nicht. Dass die Menschen ihr Obst und Gemüse auf Matten oder kleinen provisorisch zusammengebauten Hüttchen verkauften.
All diese Dinge konnte ich endlich auf Kamera festhalten, was eine spätere Erläuterung und Erzählung meiner Reise sehr erleichterte.
Man muss sich beispielsweise auch den Markt definitiv anders vorstellen, als man es gewohnt ist.
Ich habe mich dort schnell dazu entschieden, mich fast (!) rein vegetarisch zu ernähren, weil ich mich persönlich vor der offenen Aufbewahrung des Fleisches mitten im Staub, Dreck und diversen Insekten geekelt habe. Die Hygiene-Standards in Tansania sind generell nicht zu vergleichen mit denen in Deutschland. Man tut besser daran, wenn man sich schnell daran gewöhnt, dass man wahrscheinlich sowieso immer stinkt oder dreckig ist, weil man bei diesen Temperaturen schwitzt und bei den Straßenverhältnissen Staub nicht vermeiden kann. Man liegt völlig falsch, wenn man denkt, dass man sich einfach waschen kann, denn mehrmals die Woche fiel das Wasser aus, je nachdem sogar für mehrere Tage. Dass sich die Mitbewohner im Haus dann beschwerten, wenn man die letzte Toilettenspülung für das kleine Geschäft verschwendete, war unter diesen Umständen entsprechend vollkommen nachvollziehbar.

Fatuma, meine restlichen Mitbewohner und ich sind auch oft in den Wald gegangen, um einfach die Umgebung zu erkunden. Natürlich haben uns auch das ein oder andere Mal Einheimische dabei begleitet, die uns ein bisschen herumführten. Die Erkundungstouren sind es definitiv wert, denn wenn man Glück hat, kann man sogar die grüne giftige Mamba sehen. An meiner Arbeitsstelle war diese öfters anzutreffen, allerdings haben die Mitarbeiter Schlangen immer mit einem Stock platt gehauen. Affen, diverse Vögel und verschiedenste Arten und Größen von Schmetterlingen sind dort ebenfalls zu entdecken und bieten uns die Möglichkeit, sie in der freien Natur zu beobachten. Unsere Suche nach einem Krokodil blieb allerdings erfolglos. Die Größen der Bäume und den anderen Pflanzen sind einfach nur beeindruckend. In einem lokalen Wald in der Nähe steht sogar der größte Baum in Moshi und Umgebung. Er ist jetzt 191 Jahre alt und 51 Meter hoch. Wenn man lang genug dem Weg folgt, gelangt man sogar bis zu den Reisfeldern, die sich bis ins Unendliche zu erstrecken scheinen. Diese natürliche Ruhe dort wird nur durch das Zirpen von Insekten und das Rascheln der aneinander reibenden Halme im sanften Wind unterbrochen.
Allerdings muss man bei diesen Erkundungstouren aufpassen, dass man nicht vom Weg abkommt, da man von Straßenkindern überfallen werden kann, oder den Weg nicht zurück findet. Am besten meldet man sich vielleicht sogar vorher bei einem Förster an, wenn dies verlangt wird. Je nachdem handelt man sich nämlich sonst Ärger mit Einheimischen ein, die einem "ersatzweise" das Geld abzwicken wollen. Über den Fakt, dass man als Einheimischer nicht für solche Touren bezahlen muss, sollte man am besten hinwegsehen. Und obwohl es sich um einen Wald handelt, immer Ausschau nach Motorrädern halten, die einen umfahren könnten!

Meine Mitbewohner und ich machten viel zusammen, um so viel wie möglich von Tansania mitzunehmen. Dazu gehörte auch, dass wir am Wochenende in eine Jugendherberge gegangen sind, wo man für kleines Geld im Pool mit anderen Einheimischen schwimmen konnte.
Wir lernten viele Menschen kennen, bei denen man immer offen aufgenommen wurde. Viele meiner Mitbewohner wurden bei den Familien von Freunden zum Essen eingeladen. Umgekehrt war es uns leider nicht erlaubt, Einheimische bei uns einzuladen. Die Begründung war, dass Fremde die Einladung ausnutzen könnten, um uns später leichter ausrauben zu können und wir die Einheimischen vielleicht auch nicht richtig einschätzen könnten. Diese Vorsichtsmaßnahme war nötig und verständlich, aber dass wir andere Touristen bzw. 'Muzungus' einladen durften, war dagegen eine absolute Ungerechtigkeit.

An einem Wochenende fuhren wir zu den heißen Quellen in Boma. Die längere Fahrt dorthin beginnt man mit der Fahrt von Moshi nach Boma im Dala Dala und endet anschließend in einem Taxi durch abseits liegende Massai Dörfer und über ungeteerte Straßen. Allerdings muss man dort auch erst einmal einen Taxifahrer finden, der diese Fahrt für einen angemessenen Preis macht. Schließlich muss dieser auch darauf warten, bis die Kundschaft fertig ist mit planschen. Der Anblick der heißen Quellen ist dafür einmalig. Wenn ich jetzt Freunden aus Deutschland Fotos von den Quellen zeige, fragen sie mich immer, ob es bearbeitet wäre. Man kann bis zum Grund sehen und es schimmert in allen Blautönen und wirkt wirklich so idyllisch wie aus diversen Urlaubszeitschriften. So ganz nebenbei ist das Wasser auch noch angenehm warm und hat sogar eine kleine Strömung.

Ich machte sogar einen Trip zu den Materuni Wasserfällen mit Samwelis Sohn Oscar. Obwohl die Dala Dala Fahrten irgendwohin eigentlich immer ein bisschen beschwerlich und unbequem waren, konnte ich zumindest die Umgebung etwas bestaunen. Oscar war ein sehr guter Führer und motivierte mich sogar in sämtliche Ecken um die Materuni Wasserfällen zu laufen, obwohl der Weg dort sehr anstrengend ist. Man umläuft regelrecht komplett eine Schlucht und es geht viel bergauf.
Aber die Mühe lohnt sich, weil man teilweise an einigen Stellen Moshi aus der Ferne sehen kann und die Natur dort auch ein ganz völlig anderes Erscheinungsbild hat. Einige Anwohner müssen dort wohl Kaffee und andere Dinge anbauen und der Boden ist viel mehr mit Wiesen überwachsen.

Nach unserem Trip sind Oscar und ich noch ein Bananenbier trinken gegangen. Mir persönlich hat dieses Getränk nicht so geschmeckt, Oscar dafür umso mehr. An diesem Tag wurden mir die kulturellen Unterschiede nochmal ein bisschen deutlicher. Schon vorher ist mir aufgefallen, dass es in Afrika keine Freundschaften mit dem gegensätzlichen Geschlecht gibt. Ich hatte Oscar ein bisschen anders eingeschätzt, aber er hat meine freundschaftliche Art wohl auch etwas missverstanden. Man findet sich sehr schnell in einer Beziehung wieder, als es einem lieb oder man gewöhnt ist. Während meiner Arbeitszeiten beispielsweise besuchte mich ein Junge namens Alfon sehr oft, lediglich um mit mir zu quatschen. Von meiner Seite aus empfand ich das alles sehr freundschaftlich und hatte ihn auch eingeladen, mit uns mal etwas Trinken zu gehen. Wie sich allerdings später herausstellte, interpretierte er in meine Freundlichkeit wesentlich zu viel. Schon allein, wenn man die Handynummern austauscht, wird man als feste Freundin bezeichnet.
Der Vorgang verläuft ab diesem Zeitpunkt ganz schnell und ehe man sich versieht, bekommt man nach wenigen Tagen eine SMS mit dem Inhalt, dass der Gegenüber einen vermissen würde. Diese Gefühlsoffenbarung war sehr verwirrend, weil ich den Jungen erst eine Woche vorher kennengelernt hatte und für mich auch völlig unangemessen war. Einigen Hochzeitsanträge und Ähnlichem ist dort kaum auszuweichen und ich rate jedem, dass man einfach genauso bestimmende Abfuhren erteilen muss gemessen mit der aggressiven Art und Weise des Flirtens. Ein einfaches Nein in einem höflichen Ton verstehen die Einheimischen manchmal nicht.

Die Arbeit mit Samweli hat mir generell sehr gefallen. Samweli hat mir viel von Moshi gezeigt und sich immer Mühe gegeben, dass ich in Tansania eine gute Zeit habe. Er hat mir bei Verhandlungsgeschäften mit Einheimischen geholfen, mich zu vielen Ecken in Moshi begleitet und mir seine Lebensweise 'Pole Pole' nah gebracht. Ich sollte mir keinen Stress machen. Letztendlich, trotz jeglicher Pole Pole Einstellung, habe ich angeblich immer noch härter als Samweli selbst gearbeitet. Bei einer Gelegenheit durfte ich sogar Samweli zu der großen Kaffee-Plantage einer deutschen Familie begleiten. Die Familie wohnt dort schon seit einigen Jahren und wird von vielen Einheimischen respektiert, weil sie für einen wirtschaftlichen Aufschwung in Tansania schon einiges beigetragen haben. Wie bei fast allen Außenaufträgen, waren wir dort, um einige Blumen und Bäume im Garten dieser Familie zu pflanzen.
Aber am meisten hat mir die Papierherstellung Freude bereitet, obwohl der Prozess sehr aufwendig ist. Man muss Äste von einer bestimmten Sorte Baum zurecht schneiden und für längere Zeit bewässern und je nach dem auch nochmal für mehrere Stunden kochen.

Inka bei der Papierherstellung Die Äste sind dann so aufgeweicht, dass man sie pellen kann. Die abgepellte Rinde kocht man anschließend nochmals und zerkleinert die Fasern mit einem Holzhammer, bis man eine grünliche weiche Masse vor sich hat. Diese wird wiederrum in Wasser aufgelöst, damit man sie später sieben kann. Die grüne Masse legt sich wie ein Film über das Sieb, man tupft es mit einem Schwamm trocken, drückt sie an ein luftdurchlässiges Faserpapier an und lässt es trocken. Nach einem Tag kann man das natürlich hergestellte Papier abziehen und beliebig verwenden.
Samweli konnte dieses Papier verkaufen, ließ es aber auch bemalen und kreierte künstlerische Postkarten, die den Verkauf wesentlich antrieben.
Meine Arbeit war zwar manchmal eintönig, aber sie hat mir immer Spaß gemacht und wenn ich keine Lust mehr hatte, Pflanzen von A nach B zu tragen und sie zu bewässern, sind Samweli und ich rausgefahren und haben Bäume gepflanzt oder seine kleine Ecke ein wenig aufgebessert. In dieser Ecke an der Straße pflanzte Samweli viele verschiedene Baumarten und markierte sie mit Schildern, damit Passanten ein wenig über die einheimischen Bäume lernen.
Abgesehen davon erfüllte mich meine Arbeit, da ich einen wichtigen Beitrag zu der Wiederaufforstung der Wälder beigetragen habe. Die Abholzung der Wälder führte nämlich zu einem niedrigeren Niederschlag in dieser Gegend. Dies führt zu mehr Dürreperioden und das kontinuierliche Abschmelzen der Gletscher auf dem Kilimanjaro. Die Auswirkungen sind beispielsweise mit einem Blick aus dem Flugzeug bei der Hin- oder Rückreise sehr deutlich zu erkennen. Die Gletscher auf der Spitze des Berges sind schon komplett zurück gegangen.
Im Ganzen erklärt dieses Problem auch die unzureichende Wasserversorgung in Moshi. Ich war sehr betroffen, als Samweli mir an einem Tag erklärte, dass es früher nicht immer so heiß und trocken in Moshi war.

Nach einem Mittagessen bei Fatumas Familie wurden meine Mitbewohner und ich auf die Hochzeit von Fatumas Schwester eingeladen. Natürlich haben wir uns alle gefreut und putzten uns alle an einem Sonntag so afrikanisch schick wie möglich heraus.
Wir wurden im Wohnzimmer von Fatumas Eltern in Empfang genommen und als die Zeremonie begann, wurden wir Frauen gebeten draußen im Hof auf einer Plane Platz zu nehmen. Inka bei der Hochzeit in Tansania
Die Männer saßen eine Hausecke weiter und sangen religiöse muslimische Lieder. Während des Gesangs hatten wir Frauen die Möglichkeit, ab und zu um die Ecke zu spicken und erhaschten einige Augenblicke, wie der Gebetsgesang mit Weihrauch vom einem traditionellen Tanz mit starkem Körpereinsatz begleitet wurde.
Nach Beendigung der Zeremonie wurden Braut und Bräutigam zusammengeführt. Der Bräutigam ganz klassisch im Anzug, die Braut gehüllt in bunten glänzenden Tüchern und mit Henna über den ganzen Körper geschmückt. Die Trauung war vollzogen und alle Mitwirkenden bekamen etwas zu Trinken und wir Gäste erfreuten uns über eine kleine Mahlzeit. In der Zwischenzeit verließ ein großer Teil die Hochzeit und uns wurde erklärt, dass es sich dabei um Mitglieder einer muslimischen Schule handelte, die lediglich die Zeremonie unterstützen sollten.
Nachdem einige Familienfotos geschossen wurden, verlegte sich die Hochzeitsfeier vom Hof in ein kleines Zimmer, das eigentlich schon fast völlig von einem Fernseher, einigen Regalen und Sofas ausgefüllt war. Unerklärlicherweise hatte trotzdem die ganze Familie in diesem kleinen Raum Platz. Geschätzte 20 Menschen quetschen sich auf 8 Quadratmeter, tanzen ausgelassen zu afrikanischen Beats und tranken dabei unbesorgt einheimischen Schnaps: Konyagi. Der Abend wurde sehr lang und wir alle waren sehr froh, als wir nach vielen Stunden Tanzen die Hochzeit verließen.

In seiner Freizeit kann man aber nicht nur Hochzeiten besuchen, sondern vielleicht auch mal den größten Second Hand Markt in Moshi besichtigen. Die Preise sind wie vieles dort den Verhältnissen angepasst und es würde sich wirklich lohnen, wenn man mit leerem Koffer einreist und sich die Kleidung dort einkauft. Mein großer Koffer und dessen Inhalt waren in Anbetracht dessen eigentlich völlig unangebracht. Viele Kleidungsstücke habe ich gar nicht benötigt und die Dinge, die ich benötigt habe, konnte ich dort zu mehr als akzeptablen Preisen kaufen. Ich habe letztendlich sogar viele Kleidungsstücke und auch andere Dinge dort verschenkt und hinterlassen. Stattdessen habe ich lieber afrikanische Dinge mit zurück gebracht, zum Beispiel schöne Tenges und Kangas, die traditionelle Kleider der afrikanischen Frauen, die man dort in vielen farblichen Varianten finden kann.

Empfehlenswert sind auch die vielen lokalen Restaurants, in denen man den Geschmack der Landesgerichte probieren kann. Sollte man in einem Restaurant schließlich beobachten, wie ein Angestellter mit einer Schubkarre voller Hühner in die Küche verschwindet, kann man neben der makaberen Situation wenigstens sicher sein, dass das Essen frisch zubereitet wurde. Aber Glücklicherweise gibt es auch einige Restaurants, die einem im Falle des Heimwehs das Essen bieten, nach dem man sich so sehnt.

In Anbetracht meiner Fischallergie bin ich auch sehr positiv überrascht, wie sorgfältig in der Küche auf die getrennte Zubereitung der Zutaten und den Umständen entsprechend auf die Hygiene geachtet wird. Ich bin sehr froh, dass ich meine Essensgewohnheiten während dieser Reise völlig ohne Zwischenfälle beibehalten konnte und dabei sogar ein ganz neues Vertrauen zu fremder Küche aufgebaut habe. Ärgerlich war allerdings, dass man nach einem gemeinsames Essen mit vielen Freunden anschließend fast immer über den Preis diskutieren musste. Eine Erfahrung, die eigentlich mehr lästig als schön war, aber definitiv das Selbstbewusstsein stärkt, auf sein Recht zu bestehen.

Eine Kundin von Samweli bot mir sogar die Anfertigung einer traditionellen natürlichen Hennabemalung an. Die Chance ließ ich mir natürlich nicht entgehen. Ich saß fast einen ganzen Nachmittag zwischen vielen Frauen verschiedenen Alters und wir führten die lustigsten Frauengespräche. Ich war erstaunt, wie leicht man sich mit Händen und Füßen verständigen kann, wenn man bei der Sprache nicht auf denselben Nenner kommt. Zum Beispiel hat jede Frau in der Runde sofort verstanden, dass vom vielen Sitzen und Stillhalten auf dem harten Boden mein Po einschlief. Pilly, eine junge Schülerin, die ich dort kennenlernte, hat später die Übersetzung übernommen und uns allen in den Gesprächen sehr weiter geholfen. Ich habe mich gefühlt, wie beim Kaffee Trinken mit Nachbarn aus der Vorstadt.

Immer wieder erfrischend waren aber auch die Unterhaltungen mit Kindern und jungen Schülern. Immer wenn wir von der Arbeit kamen, liefen uns kleine Kinder hinterher und riefen "Muzungus". Nicht gerade schmeichelhaft, als "Weiße" bezeichnet zu werden, aber es macht die Situation definitiv leichter, wenn man einfach darüber lacht. Ich gewöhnte mich auch daran, dass die Kinder einfach so meine Hand nahmen und mit mir ein Stück gegangen sind. Aber spätestens, wenn sich die Anzahl der Kinder auf 7 erhöhte und sie mit dem wenig gelerntem Englisch 'Give Me My Pen' riefen, wurde mir gefühlsmäßig ganz anders. Erst einmal war ich besorgt, dass das offene Verhalten der Kinder ausgenutzt werden könnte und dann wurde mir auch noch bewusst gemacht, dass die Kinder von früh an lernen, dass sie Geschenke von den 'Weißen' bekommen könnten. So penetrant wie die Kleinen manchmal waren, hätte ich ihnen gerne irgendetwas gegeben, aber uns wurde geraten, diesem Verlangen nicht nachzukommen, da die Kinder zurückkehren würden wie ein Bumerang.
Allerdings bewunderte ich schon das frühe Selbstbewusstsein der jungen Kinder. Nicht nur, weil sie frech sein können, sondern dass sie früh lernen, mit im Haushalt anzupacken. Die pädagogischen Folgen sind natürlich ganz anders zu betrachten.
Ein schönes Erlebnis mit Kindern fand in unserem Garten statt. Meine männlichen Mitbewohner haben ungefähr 30 Minuten lang versucht, ein umherirrendes Huhn zu fangen. Sie mussten sich Hilfe von zwei kleinen Jungen holen, die dieses Huhn innerhalb von 10 Minuten gefangen haben. Von diesem Zeitpunkt an war dieses Huhn unser Haus – Huhn. Ich denke, es wird in Zukunft sehr vorteilhaft sein, zu wissen, wie man ein Huhn dazu überzeugt, dass es mein Huhn ist.

Den Besuch in eine Kirche eines Sonntags ließen wir uns natürlich auch nicht entgehen. Mich hat Gospel schon immer fasziniert und live ist dieses Event immer ein bisschen besser. Man sollte sich aber darauf vorbereiten, sich auf Swahili vorzustellen. Ich persönlich finde es sehr positiv, dass man so offen in einer Gottes Kirche willkommen geheißen wird. Wenn man den starken Zusammenhalt der Gemeinde erst einmal spürt, dann wird einem auch verständlich, warum die meisten Menschen in Moshi in die Kirche gehen.

Zugegebenermaßen habe ich weder den Kilimanjaro bestiegen, noch an einer Safari teilgenommen. Aber ein kleiner Trost war mein Trip mit meinen fünf Mitbewohnern nach Tanga über Sansibar und zurück. Unsere Organisation war reichlich ungeplant, lediglich einige Empfehlungen boten uns Richtungsweiser.
Freiwillige in Tansania
Die Reise begann mit dem Bus, für den man wenige Tage vorher sogar ein Ticket mit Platzreservierung kaufen kann. Man kann sich dabei aber nicht auf pünktliche Abfahrtzeiten verlassen, denn im Grunde fährt man immer etwas später los, als geplant. Überraschenderweise entpuppte sich die Fahrt mit dem Reisebus später zu einer Dala Dala Rundfahrt von 7 Stunden, da an jedem Stopp weitere Menschen eingestiegen sind.

Die Hitze im Bus hat uns allen zu schaffen gemacht und ich musste machtlos mit ansehen, wie zwei Hühner, eingepackt in eine Plastiktüte immer wieder vor Hitze umgekippt sind. Der Aufschrei der armen Tiere hat jedes Mal Aufmerksamkeit erregt und irgendwer erbarmte sich und stellte sie in ihrer Tüte wieder auf. Neben diesen negativen Aspekten bekommt man aber die Möglichkeit geboten, sich viel von der Landschaft, den Dörfern und den Tälern während der Fahrt anzusehen.
Schließlich sind wir in Tanga angekommen und wurden von Taxifahrern umzingelt, die uns alle zu dem Hotel fahren wollten, welches wir uns aus Empfehlungen ausgesucht hatten. Die Dame hinter dem Empfang war sehr freundlich und gab uns sogar ein zwei Personen Zimmer für drei Personen. Für drei Euro die Nacht pro Person waren wir völlig zufrieden, wenn man keine besonderen Ansprüche erhebt. Hygienische Maßnahmen lassen zu wünschen übrig und ich persönlich fand die Installation der Dusche über der Toilette als erfahrenswert.

Am ersten Tag in Tanga haben wir direkt den Guide Slim kennengelernt, der uns mit Freude die Strände von Tanga zeigte. Slim war so offen, dass uns die Kommunikation mit ihm sehr leicht fiel und wir kamen schnell in ein Gespräch, in dem wir mit ihm einen Ausflug planten. Er organisierte uns Fahrräder und wir fuhren durch die Stadt, Dörfer bis zu den Höhlen und den heißen Quellen. Die Höhlen sind faszinierend, da man dort zum Beispiel sehr alte Wandmalereien zu sehen und alte Legenden über die Höhlen erzählt bekommt. Die heißen Quellen schimmern in allen Farben, aber riechen wie üble Flatulenzen. Allerdings bekommt man auch die Möglichkeit ganz traditionell Kokos-Palmen zu besteigen. Wer die Strände in Tanga satt hat, kann auch im Hotel am Pool gegen ein wenig Geld die Sonne genießen.
Nichtsdestotrotz sollte man auf guten und regelmäßigen Sonnenschutz achten, denn keiner von uns hat an diesem Tag ohne Sonnenbrand das Hotel verlassen.
Slim war so freundlich und organisierte auch unsere Fahrt in einem Dala Dala zum Hafen Pangani und mit einem Fischerboot nach Kendwa, einem Teil von Sansibar. Während unserer Weiterreise hatten wir auch das Glück, dass einige Delphine unseren Weg kreuzten. Und während unser 'Kapitän' erfolgreich einen Fisch fing, begann ich, über ein kleines Fazit bezüglich Tanga nachzudenken.
Ich hatte die Angewohnheit jede Stadt mit Moshi zu vergleichen und mir fiel auf, dass der Tourismus in Tanga definitiv seine Spuren hinterlassen hatte. Die Gegend ist ungefährlicher und touristenfreundlicher. Und obwohl ich eigentlich recht unsportlich bin, konnte ich mir sogar ein Leben nur mit einem Fahrrad als Fortbewegungsmittel in Tanga vorstellen.

Während wir versuchten unsere Koffer durch den Sand zu rollen, kamen schon einige Leute auf uns zu, um uns einige Hotels in der Umgebung zu zeigen. Einige unserer Gruppe warteten am Strand und bewachten das Gepäck und der Rest entschied sich in der Zwischenzeit für die beste Unterkunft. Diese war ein Haus, für das wir 10 Dollar die Nacht pro Person zahlen mussten. Auch dort teilten wir uns ein großes Bett zu dritt, aber dafür war der Rest des Hauses ein Traum. Eine riesige Küche und ein großräumiges Wohnzimmer mit Musikanlage und Fernseher. Drei Schlafräume und jeweils ein Badezimmer mit funktionierender Wasserleitung. Die Terrasse eröffnete uns den direkten Blick auf den Sonnenuntergang am Meer, den man ganz leger in einer Hängematte genießen konnte.
Die Tage in Kendwa verbrachten wir größtenteils damit, die Strände zu erkunden, in verschiedenen Restaurants zu Essen und uns die Sonne auf den Bauch scheinen zu lassen. Wer aber eben genau diese Ruhe und Entspannung sucht, ist dort richtig aufgehoben. Selbst während 'der Saison' bleibt der Strand eher leer. Sollte man sich dann nach dem 'richtigen Sansibar', also Stone Town sehnen, der kann auch ganz bequem mit dem Dala Dala für eine Stunde dorthin fahren.
Kendwa ist vergleichsweise ein wenig teurer und auch mehr auf Touristen abgestimmt. Für wenig Geld kann man nicht sonderlich viel machen, außer in Kendwa ein Volleyball – Feld und das Internetcafe am Strand nutzen. Schnorcheln, sich massieren lassen oder auch der einfache Kauf von Souvenirs drücken schon schwer auf die Tasche.

Nach 4 wunderbaren Tagen in Kendwa sind wir nach Stone Town, das Herz von Sansibar, aufgebrochen. Spontan hat uns ein junger Mann, den wir dort trafen, einige Hotels gezeigt. Wir entschieden uns schließlich für ein Hotel für jeweils 10 Dollar die Nacht pro Person und bekamen dafür ein drei Betten und zwei Betten Zimmer. Die Badezimmer musste man sich aber in der jeweiligen Etage mit anderen Gästen teilen.
Die meiste Zeit verbachten wir dort mit immer wiederkehrenden Orientierungsproblemen und langen Spaziergänge durch die verzwickten und engen Straßen. Man sollte sich auf jeden Fall einen Stadtplan kaufen, oder man prägt sich einige Merkmale zur Orientierung ein. Andernfalls stellt man schon mal nach zwei Stunden fest, dass man im Kreis gelaufen ist. Im Zweifelsfall sollte man immer versuchen Richtung Hafen zu kommen, denn dort kommen einem die Straßen etwas geordneter vor. Aber wenn man genug Zeit hat, sollte man sich einfach treiben lassen, denn währenddessen kann man viele Läden entdecken und die Menschen in ihrem hektischen Treiben beobachten.
Die engen Straßen, umbaut von hohen Häusern, erinnern sehr an italienische Gassen und sind auch immer sehr belebt. An jeder Ecke findet man eine neue Situation und somit eine ganz neue Geschichte. Man trifft schnell auf hilfsbereite Einheimische, aber man muss auch vorsichtig sein, dass man nicht über den Tisch gezogen wird.
Ich hatte leider nicht so viel Zeit, Stone Town lange auf mich wirken zu lassen und verpasste beispielsweise die Möglichkeit, die verschiedenen Museen dort zu besuchen, oder an einer Stadtführung teilzunehmen. Ich wäre auch gerne mit meinen Mitbewohnern, die dort einige Tage länger geblieben sind, Schnorcheln gegangen, denn diese erzählten mir später begeistert, dass sie beispielsweise riesige Schildkröten anfassen durften. Stattdessen kam ich nur dazu über den Strand zu laufen, an dem man lustiger weise keine Fotos machen darf und durch die Straßen zu irren. Dafür konnte ich einen Blick auf das hektische Marktleben mit Frischwaren werfen und das leckerste Sandwich in einem kleinen unscheinbaren Restaurant genießen.

Da zwei meiner Mitreisenden und ich schon in der neuen Woche wieder arbeiten wollten, entschieden wir uns früher abzureisen, als die Anderen. Ein Ticket für die Nachtfähre, das wir lediglich einen Tag vor Abreise kauften, sollte uns nach Dar Es Salaam und von dort aus mit dem Bus zurück nach Moshi bringen.
Auf der Fähre war genug Platz und man bekam sogar eine Matratze aus Schaumstoff, die man sich nachts auf den Boden zwischen den Sitzen legen konnte. Ich persönlich hatte einen guten Schlaf, denn irgendwann werden die Mitreisenden ebenfalls leise und der Fernseher mit einem Programm auf Swahili wird ausgeschaltet.
Die andere Hälfte meiner Mitbewohner, die später nachkamen, berichtete uns aber, dass bei ihnen auf der Fahrt fast jeder seekrank wurde. Dementsprechend schätze ich, dass der Komfort der Fahrt definitiv von der Seefahrt abhängt. Lohnenswert ist aber definitiv der Anblick von der großen Stadt Dar Es Salaam bei Nacht vom Meer aus. Es hinterlässt ein eindrucksvolles Gefühl, wie Dar Es Salaam die Nacht mit seinen Lichtern erfüllt und dann die Sonne diese Stadt in ein warmes Morgenlicht taucht.
Nachdem wir am Hafen anlegten, nahmen wir uns ein Taxi zum Busbahnhof. Während der Fahrt konnte ich zwar nicht genug, aber wenigstens einige Eindrücke von Dar Es Salaam mitnehmen. Diese Stadt hat wesentlich mehr mit Moshi gemeinsam, als die Städte zuvor. Die Menschen sind viel beschäftigter und in ihrem Treiben vertieft, wie ich es teilweise schon von Moshi gewöhnt war. Allerdings zeigten sich in Dar Es Salaam einige westlichen Standards, wie zum Beispiel moderne Hotelbauten, oder riesige Werbe Plakate. Das Busticket zurück nach Moshi war zwar dieses Mal etwas teurer, aber dafür war er nicht bis in jede Ecke mit Menschen besetzt und wir bekamen auch während der Fahrt zwei Getränke. Nach der Hälfte der Strecke hielten wir sogar an einem Rastplatz afrikanischer Art. Einige kleine Lädchen boten Snacks und ein großes Restaurant bereitete eine kleine Mahlzeit 'To Go' vor. Und natürlich gab es auch eine großräumige westliche Toilette.

Nach der langen Reise und diesem Trip waren wir ziemlich erschöpft und freuten uns schon auf Zuhause. Dort angekommen, mussten wir allerdings feststellen, dass wir wieder mal kein Wasser hatten und sich dieser Zustand in den nächsten folgenden drei Tagen nicht änderte. Der geplante Umzug kam uns dementsprechend sehr gelegen. Unsere 'Homebase' verlagerte sich nämlich näher zur Stadt. Einige Vorteile des neuen Hauses waren fließendes Wasser, viele große Räume und die Möglichkeit sogar zu baden. Das Grundstück teilte man sich aber mit dem Vermieter, es gab öfters Stromausfälle und das Haus war so groß, dass man das Gefühl hatte, man könne sich verlaufen. Der Gemeinschaftsraum war nach persönlichem Empfinden so grässlich gestrichen und eingerichtet, dass das tägliche gemeinsame Entspannen sich auf die Terrasse verlagerte.
Daneben waren wir alle auch sehr traurig, dass wir keinen Fernseher hatten. Ein Fernseher ist natürlich nicht selbstverständlich, aber wir alle mochten sehr schnell die afrikanische Trend Serie 'Don't Mess With An Angle'. Eine mexikanische Dramaserie, die ins Englische übersetzt wurde. Mir wurde auch mehrmals versichert, dass diese Serie der Grund für das etwas schwunghafte Verhalten der Einheimischen wäre. Eine Einarbeitung wäre entsprechend also vorteilhaft.

Meine letzte Woche nach meinen Trip versuchte ich so viel wie möglich von Moshi noch an Eindrücken mitzunehmen. Zufälligerweise war ein alter Schulfreund von Samweli, mittlerweile sesshaft in Kanada, zu Besuch. Als Regisseur drehte er einen Film über die traditionellen Tänze der Einheimischen. Der Film sollte Aufmerksamkeit auf diese Tradition lenken, um anschließend daraus ein größeres Projekt mit Show zu organisieren. Ich durfte ihn bei seinen Dreharbeiten begleiten und es war wirklich ansteckend, die Beteiligten beim Tanz und Musizieren zu beobachten.
Desweiteren feierten wir natürlich ausgiebig meinen Abschied am Wochenende in verschiedenen Bars und Clubs. In einer Bar bin ich sogar in einen Zungenbrecher Wettbewerb auf Swahili geraten. Die Aufgabe war, dass man einen Zungenbrecher auf Swahili so schnell wie möglich aufsagt. Ich habe natürlich kläglich versagt, aber dennoch hat es jede Menge Spaß gemacht. Die Schwierigkeit bei dieser Aufgabe bestand vor allem darin, dass sich viele Worte ziemlich Ähnlich anhören, aber eine völlig andere Bedeutung haben.
Ich verwende in diesem Zusammenhang gerne das Wort 'Nyanya', was Tomate bedeutet. Diese Laute kann man schnell falsch aussprechen und führen zu Verwirrungen. Aber dafür war es auch das Lieblingswort meiner Mitbewohner und mir, da der Klang auf irgendeine Art und Weise sehr befriedigend war.

Ich war schon etwas traurig, als ich nach dieser Woche meine letzte Mahlzeit in der Homebase zu mir nahm, aber Fatuma bereitete für meine Heimreise zusätzlich Chapati zu. Natürlich besorgte ich mir auch das Rezept meiner Lieblingsmahlzeit Chapati, denn besonders dieses einfache Fladenbrot würde ich am meisten an einheimischen Essen vermissen.
Der Abschied nach solch einer Zeit fällt natürlich schwer. Aber ich war mir sicher, dass ich ein Stückchen der afrikanischen Lebenskultur mitnehme und mein Leben, zurück in Deutschland, auch entsprechend verändern würde.
Am Flughafen musste ich feststellen, dass mein Flug Verspätung hat und die Wartezeit war in Anbetracht der nächtlichen Uhrzeit ermüdend. Allerdings habe ich mich mit einigen Mitarbeitern des Flughafens unterhalten, die das Warten mich schnell vergessen ließen. Genau an diesem Punkt wurde mir bewusst, wie sehr ich mein Selbstbewusstsein in diesen zwei Monaten gestärkt hatte. Am Anfang war ich verunsichert und schüchtern und nun kam es mir keineswegs komisch vor, dass ich mit fremden Einheimischen auf eine Mischung zwischen Englisch und Swahili rumalberte. In den Morgenstunden konnte ich endlich in mein Flugzeug einsteigen und ich schlief wie selbstverständlich direkt ein. Wie mein Sitznachbar mir später mitteilte, habe ich sogar die unplanmäßigen Zwischenstopps in Sansibar und Nairobi verschlafen. Erfreulich war allerdings, dass mein Sitznachbar sich als ein Tourist herausstellte, der den Kilimanjaro bestiegen hatte. Es war einfach sehr angenehm jemanden zu treffen, mit dem man sich über seine Eindrücke austauschen konnte. Die Zeit nach Frankfurt ging während unserer Gespräche wie im Flug vorbei und letztendlich habe ich sogar noch bis zum Schluss einen neuen Freund gewonnen.

Meine ersten Wochen in Deutschland waren vergleichbar mit meinen ersten Wochen in Afrika. Natürlich musste ich meinen Freunden und Verwandten ausführlich von Afrika erzählen und ich ertappte mich öfters dabei, wie ich Deutschland immer öfters mit Afrika verglichen habe, obwohl mir bewusst ist, dass viele Verhältnisse nicht vergleichbar sind, wie zum Beispiel, dass in Deutschland alles viel teurer ist.
Aber ich fühlte mich so plötzlich in die Konsumgesellschaft zurückgeworfen, dass mich einige Situationen wirklich überforderten und mich in moralische Konflikte brachte. In Afrika habe ich gelernt mit viel weniger zufrieden zu sein, was im Endeffekt auch mein Konsumverhalten veränderte. Aber man wird so sehr von der Werbung und den Medien beeinflusst, dass es schwer ist, den Verführungen zu widerstehen. Eine weitere Beeinflussung ist beispielsweise auch das Idealbild der deutschen Frau. In Afrika habe ich mich, trotz meinen neuen zusätzlichen 5 Kg, attraktiv gefühlt. Das ständige Vorleben von Models in der Werbung und die kleinen Witze meiner Freunde über mein Gewicht veränderten diese Ansicht.
Mein Kulturschock äußerte sich auch dadurch, dass ich die Offenheit der Afrikaner vermisste, die immer ein Lächeln auf den Lippen hatten. Ich vermisste es, dass ich auf der Straße mindestens 10 verschiedenen Fremden "Hallo" sagte und mir fiel erstmals auf, wie kalt die Deutschen miteinander umgehen.
Ich frage mich immer, wie Freunde, die ich in Tansania kennenlernte, auf Deutschland reagieren würden, in Anbetracht dessen, dass mir die Eingewöhnung schon nach zwei Monaten schwer fiel.

Man kann es sich anfänglich nicht vorstellen, aber irgendwann gewöhnt man sich wieder an das Leben in Deutschland. Mittlerweile gefällt es mir wieder sehr gut in Deutschland und mit meiner neuen angeeigneten Lebenseinstellung 'Pole Pole' lässt sich das Leben auch ein bisschen leichter organisieren.

Insgesamt kann ich es jedem empfehlen, auch nur beim kleinsten Interesse nach Afrika zu gehen. Man muss nur seinen Instinkten folgen und ein bisschen abenteuerlustig sein, denn dann kann man auch die Orte besuchen, die den normalen Touristen nicht unbedingt anziehen. Gerade dann hat man die Möglichkeit, das wahre Afrika kennenzulernen und deren Kultur ein Stückchen näher zu kommen. Ich habe diese Entscheidung nie bereut und ich werde eine weitere Reise nach Afrika bei Gelegenheit auch wieder wahrnehmen. Die Zeit dort ist unvergesslich und kann auch sehr Horizont erweiternd wirken.


Inka aus Eitorf (2010)




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letzte Überarbeitung: 27.12.2012